Leitlinien & Forderungen der OSB Alliance

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Präambel

 

In der Software-Industrie hat sich das Entwicklungs-, Lizenz- und Business-Modell „Open Source Software“ in den vergangenen Jahren so rasant entwickelt, dass es heute in vielen Bereichen als Standard gilt. Die Open Source Business Alliance trägt als Verein von Unternehmen, deren wirtschaftlicher Erfolg mit Open Source Software verknüpft ist sowie von Anwendern und Forschern aus dem Umfeld von Open Source Software und daraus bestehender oder darauf aufbauender Lösungen, zur Förderung, Akzeptanzsicherung und Verbreitung von Open Source Software bei.

 

Open Source erlaubt die interaktive Zusammenarbeit von Programmierern, verschiedenster Organisationen und Anwendern, die mit Ihrem Feedback direkt zur Entwicklung beitragen. Dabei kann und darf unabhängig vom Originalhersteller oder Copyright-Inhaber sowohl jeder Entwickler, als auch jeder Anwender oder dessen Beauftragter die betreffende Software ändern, warten oder weiterentwickeln.
Diese Merkmale machen Open Source Software zu einer unverzichtbaren Basis nachhaltiger, zukünftiger Wertschöpfung durch die IT-Industrie.

 

Darüber hinaus stellt die Open Source Kultur eine Grundlage für das Wachsen einer Open Minds Economy innerhalb der Gesellschaft dar. Die Vernetzung verschiedener Anwendungen, der Trend zum Cloud Computing und die Anbindung der Zukunft an das Heute erfordern ein nahtloses Miteinander von etablierten und neuen Lösungen. Ein wesentlicher Schwerpunkt der OSB-Alliance ist daher die Förderung der Interoperabilität von Open Source Software und ihre Integration mit proprietären Systemen. Wichtige Grundlage dafür ist das Verwenden und Einhalten offener Standards.


Unsere Leitlinien

 

1. Der Einsatz von Open Source Software reduziert einseitige Abhängigkeiten von Lieferanten, Lieferketten, Kunden und Mitarbeitern und verhindert so Fehlinvestitionen. Damit sind dank gleicher Möglichkeiten aller Anbieter und Anwender Kopfmonopole und unangemessene Preise vermeidbar. Anwender von Open Source Software sind bei einem Wechsel oder Ausfall eines Softwareanbieters nicht mehr gezwungen, eine kostspielige Reimplementierung existierender Software vorzunehmen. Open Source Software sichert fairen Wettbewerb und führt daher zu höherem Nutzen für Anwender, Hersteller, Dienstleister und Gesellschaft.

 

2. Open Source fördert Innovation, senkt Markteintrittsbarrieren und führt deswegen zu einer agileren IT-Wirtschaft. Sie ist damit der Schlüssel zu einer erfolgreichen IT-Wirtschaft.

 

3. Offene Standards sind eine wichtige Voraussetzung zum Sicherstellen von Interoperabilität und zum Vermeiden von Herstellerabhängigkeiten. Sie sind daher stets zu fordern und zu fördern. Bei der Definition offener Standards orientieren wir uns an den Definitionen von EU und FSFE. Das bedeutet, dass ein offener Standard folgende Bedingungen erfüllen muss:

  • Der Standard ist veröffentlicht. Die Spezifikation ist entweder kostenlos oder gegen eine nominale Schutzgebühr verfügbar.
  • Soweit der Standard oder Teile davon gewerblichen Schutzrechten (Patenten) unterliegt, sind diese unwiderruflich gebührenfrei nutzbar zu machen.

Die Wiederverwendung des Standards unterliegt keinen Einschränkungen. Der Standard enthält keine Komponenten oder Erweiterungen, die von Formaten oder Protokollen abhängen, die selbst nicht der Definition eines Offenen Standards entsprechen. Zusätzlich ist es aus unserer Sicht wichtig, dass mehrere austauschbar verwendbare Implementierungen eines Standards existieren. Darüber hinaus ist für die Verwendbarkeit des Standards seine lückenlose Dokumentation entscheidend, wobei eine Open Source Referenzimplementierung die beste Sicherheit bezüglich sonst zwangsläufig entstehender Unsicherheiten bei der Interpretation des Standards bietet.

 

4. Wir stehen für offene Entwicklungsprozesse und offene Zusammenarbeit, weil unsere Organisationen und die Gesellschaft als Ganzes ihre Ziele damit dauerhaft besser erreichen. Deshalb erwarten wir auch von öffentlich finanzierten Organisationen weitgehende Transparenz in ihrem Handeln. Dazu zählen für uns neben Open Source: Open Data, Open Innnovation und Open Access.

 

5. Das Urheberrecht am eigenen Werk ist unantastbar. Offenheit funktioniert nur, weil die Beteiligten die Vorteile erkennen,  nicht aber durch Zwang oder Aufweichung von Nutzungsrechten (bzw. Copyright).


6. Open Source Software ist eine zentrale Voraussetzung für eine von allen Interessierten auditierbare IT-Infrastruktur.

 

7. Die Open Minds Economy stellt die nachhaltige Wertschöpfung durch offene Formen der Zusammenarbeit in den Vordergrund. Softwarepatente stellen unabhängig vom Lizenzmodell eine substantielle Behinderung dar.

 

8. Netzneutralität, also die Gleichbehandlung aller Datenströme im Internet, ist die Voraussetzung für nicht-diskrimierenden Wettbewerb, für freie Bereitstellung, sowie freien Zugang zu Informationen und zum kollaborativen Austausch. Ansonsten würden Open Source Communities in Ihren Möglichkeiten zur Verbreitung und zur Zusammenarbeit gebremst.


Politische Rahmenbedingungen für die IT-Wirtschaft

 

Die Open Source Business Alliance fordert von der Politik:

 

1. Freie Communities sind zu fördern, weil diese kreative Potentiale in der Softwareentwicklung erschließen,  was letztendlich zu mehr Innovation als Voraussetzung für eine stärkere IT-Wirtschaft führt.

 

2. Die Ergebnisse öffentlich finanzierter Entwicklungen (durch Behörden, Hochschulen etc.) müssen der Gemeinschaft frei zur Verfügung gestellt werden. Im Fall von Software bedeutet das eine Verbreitung und Lizenzierung als Open Source Software.