Open Source Business Alliance: „Koalitionsvertrag ermöglicht Fortschritte für Open Source“

03.12.2013

Ganten: „Ziel bleibt aber Bevorzugung in Ausschreibungen“. Erfreuliche Kernaussagen und kritische Inhalte


Stuttgart, 3. Dezember 2013 –
Die Open Source Business Alliance (OSB Alliance) sieht im neuen Koalitionsvertrag erfreuliche Anzeichen für eine Stärkung von Open Source in Deutschland. Für eine Entwarnung beim Umgang mit Open Source ist es aber noch zu früh. Das hat eine erste Analyse des Koalitionsvertrages durch das Hersteller- und Anwendernetzwerk für Open Source ergeben.

Open Source als Grundlage für mehr Sicherheit und Wachstum

Bei der Überwindung der akuten Vertrauenskrise in die Informationstechnologie und beim Aufbau einer erfolgreichen, agilen IT-Wirtschaft wolle die OSB Alliance die Bundesregierung unterstützen und dafür werben, den Wert von Open Source Software zu erkennen, sagt Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der OSB Alliance: „Die beste IT-Sicherheit erreicht man mit Open Source, da nur hier der Quellcode umfassend und uneingeschränkt einsehbar und überprüfbar ist“, erklärt Ganten.
Zudem ist Open Source die beste Voraussetzung für ein schnelles und problemlos skalierbares Wachstum: Google und PayPal hätten beispielsweise ohne ihre IT-Infrastruktur auf Basis von Open Source nicht so schnell wachsen können. „Diesen Weg sollten auch wir in Deutschland beschreiten, wenn wir mehr Erstligaspieler in der IT hervorbringen wollen. Die öffentliche Hand als größter Einzelauftraggeber kann da wichtige Impulse setzen.“

Den Einsatz von Open Source nicht nur erwägen, sondern aktiv fördern

Der Koalitionsvertrag bietet erste Anknüpfungspunkte. So haben sich die künftigen Regierungsparteien für die „Entwicklung von offenen Plattformen und Open-Source-Lösungen“ sowie für die Berücksichtigung von Open Source in öffentlichen Ausschreibungen ausgesprochen.*1 „Das ist grundsätzlich erfreulich. Open Source bietet gerade auch im Hinblick auf die gegenwärtige Vertrauenskrise große Vorteile“, so Ganten, der allerdings einschränkt: „Im Vertrag heißt es lediglich, die Verwaltung solle bei Ausschreibungen den Einsatz von Open Source-Lösungen ‚erwägen‘ (S. 152). Doch eine bloße Erwägung ist nicht ausreichend. Wir zielen auf eine Bevorzugung von offener Software bei ansonsten gleichen Angeboten, so dass dasjenige, welches mit Open Source Software realisiert wird, bevorzugt wird. Das ist bei unseren europäischen Nachbarn wie zum Beispiel im Vereinigten Königreich durchaus üblich.“

*1 Koalitionsvertrag, S. 19f.

Anhang: Wesentliche Zitate zum Thema Open Source

S. 20 Schlüsselindustrien weiter unterstützen „Unser Ziel ist, bei Schlüsseltechnologien und IT-Kernkompetenzen (IT-Sicherheit, Netzwerktechnik, Embedded Systems, Prozess- und Unternehmenssoftware, Kryptographie, Machine-to-Machine-Kommunikation etc.) eigene Technologieplattformen und Produktionslinien in Deutschland bzw. im europäischen Verbund zu halten. Als Alternative zu den geschlossenen digitalen Ökosystemen unterstützt und fördert der Bund im Software-Bereich gerade auch die Entwicklung von offenen Plattformen und Open-Source-Lösungen und setzt sich dafür auch auf europäischer Ebene ein. Wir wollen im globalen Wettbewerb „Software made in Germany“ als Qualitätsversprechen bzgl. Sicherheit, Datenschutz, Design und Nutzerfreundlichkeit stärken. Wir unterstützen Prozesse der Standardisierung, Interoperabilität und Zertifizierung als wichtige Parameter für den Markterfolg deutscher Produkte.“

S: 35 Forschungsprogramm IT-Sicherheit Es wird ein Förderprogramm „Innovation in IT-Forschung und Sicherheit“ zur Stärkung der nationalen F&E-Aktivitäten in diesen Bereichen weiterentwickelt, wobei Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit für unterschiedliche Anwendergruppen in Einklang gebracht werden. Bei der Ausschreibung werden Open-Source-Ansätze priorisiert, die ihre Ergebnisse und die entwickelten Systeme offen zur Verfügung stellen. Die Einführung einheitlicher Standards zur Verfügbarmachung von Daten und Ergebnissen wird geprüft. Wir starten ein neues Forschungsprogramm zur IT-Sicherheit „Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt“. Zudem gilt es, IT-Sicherheitskompetenzen in der Ausbildung des Fachkräftenachwuchses auszubauen

S. 152 Transparenter Staat Die digitale Berichterstattung über den Bundestag und seine Sitzungen sowie über öffentliche Ausschusssitzungen und Anhörungen (z. B. in Streams) wollen wir aus- bauen. So bald wie möglich werden wir Bekanntmachungen wie beispielsweise Drucksachen und Protokolle in Open Data tauglichen Formaten unter freien Lizenzbedingungen bereitstellen.

S. 152 Moderne Verwaltung Bei der Anschaffung von IT-Technologie durch die öffentliche Hand müssen im Rahmen des Wirtschaftlichkeitsprinzips Innovationspotenziale und Nachhaltigkeit als mitentscheidende Kriterien bedacht werden. Bei Ausschreibungen sollen Sicherheitsstandards vorgegeben und wenn möglich Open-Source-Lösungen erwogen werden.